Almadén — das Quecksilberbergwerk Spaniens
Almadén in der Provinz Ciudad Real beherbergt die größte bekannte Quecksilberlagerstätte der Erde. Von der römischen Antike bis zur Schließung im Jahr 2003 förderte das Bergwerk rund ein Drittel des jemals gewonnenen Quecksilbers — der Großteil davon ging in die spanischen Kolonien Amerikas, um dort Silber zu amalgamieren.
Römische Anfänge
Plinius der Ältere beschreibt die Zinnoberbrüche von Sisapo, die heute gemeinhin mit Almadén gleichgesetzt werden. Die Römer förderten Vermillion als kostbares Pigment für Wandmalereien und gewannen daneben kleine Mengen Quecksilber zur Vergoldung von Metallarbeiten.
Die Fugger-Epoche
Von 1525 bis 1645 verpachteten die Habsburger Almadén an das Augsburger Bankhaus der Fugger — als Sicherheit für die Darlehen, die Karl V. und seinen Nachfolgern Kriege und Hochzeiten finanzierten. Unter dem strengen Regiment der Augsburger stieg die Förderung erheblich, und die schriftlichen Aufzeichnungen erreichten kaufmännische Genauigkeit.
Quecksilber für Potosí
Mit der Entdeckung des Patio-Amalgamationsverfahrens 1554 in Neuspanien wurde Almadén zum Schlüssel der spanischen Silberwirtschaft. Das Quecksilber reiste von Sevilla nach Cartagena de Indias, über die Landenge von Panama und schließlich nach Lima — bis es in Potosí das Silber aus dem zermahlenen Erz löste. Ohne Almadén kein Silberberg.
Krone und Königsmonopol
Spätestens ab dem späten 17. Jahrhundert wurde der Betrieb zum königlichen Monopol. Die Arbeit im Bergwerk galt als Strafarbeit: Galeerensträflinge und Häftlinge wurden bis ins 18. Jahrhundert zur Förderung gezwungen — eine düstere Episode, die das Hospital von Almadén bis heute dokumentiert.
Quecksilbervergiftung als Berufskrankheit
Die Vergiftungserscheinungen waren allgegenwärtig: Zittern, Zahnausfall, Demenz. Bergleute hielten selten länger als fünf bis sieben Jahre durch. Das 1773 gegründete Real Hospital de Mineros wurde zu einem der frühesten Zentren systematischer arbeitsmedizinischer Forschung.
Das 20. Jahrhundert
In den frühen 1940er Jahren erreichte die Förderung mit über 1500 Tonnen jährlich ihren Höhepunkt. Mit der UN-Konvention von Minamata, die den Einsatz von Quecksilber weltweit drastisch einschränkt, kam 2003 das Ende: Almadén stellte den Betrieb ein.
UNESCO-Welterbe
2012 wurde Almadén gemeinsam mit Idrija in Slowenien als „Erbe des Quecksilbers" in die Welterbeliste aufgenommen — die beiden Standorte stehen seither als Doppelgespann für die transkontinentale Geschichte des roten Metalls.
Der Besuch heute
Heutige Besucher fahren mit dem Förderkorb in den San-Teodoro-Schacht ein, bis zu einer Sohle in 50 Metern Tiefe. Über Tage stehen der Patio mit den Amalgamierbecken, das königliche Gefängnis und das Fugger-Archiv offen. Der spanische Staat betreibt ein hochwertiges multimediales Museum.
Die Stadt Almadén
Die Stadt selbst ist um das Bergwerk herum gewachsen — mit dem einzigartigen Real Hospital de Mineros von 1773, dem ältesten erhaltenen Bergarbeiterspital, und einer ungewöhnlichen sechseckigen Stierkampfarena, in der die Erlöse einst direkt dem Krankenhaus zuflossen.
Auf der Karte erkunden
Almadén und verwandte Bergbaustätten finden Sie auf der interaktiven Karte — mit Öffnungszeiten und Hinweisen zur Anfahrt.