Der Witwatersrand-Goldrausch — eine kurze Geschichte
Der Witwatersrand-Rausch von 1886 ist kein Rausch im klassischen Sinne. Er ist eine Industrialisierung — gewaltig, kapitalintensiv, langfristig. Aus einem Hochveldhang westlich des heutigen Johannesburg kam das mit Abstand größte je entdeckte Goldlager der Welt; aus dem Konflikt darum erwuchsen die Burenkriege, die migrant-labour-Ökonomie und damit die strukturellen Vorformen der Apartheid.
Die Entdeckung 1886
Der Australier George Harrison wird mit dem Fund auf der Farm Langlaagte im Februar 1886 in Verbindung gebracht. Innerhalb von Tagen verbreitete sich das Gerücht; im Oktober erfolgte die offizielle Proklamation des Goldfelds.
Die Geologie
Das Witwatersrand-Becken ist ein 2,7 Milliarden Jahre altes sedimentäres Bogenfragment von 350 Kilometern Länge. Gold tritt in schmalen Konglomerat-Bänken auf, in Tiefen von 100 bis 4.000 Metern. Die gesamte enthaltene Menge wird auf über 80.000 Tonnen geschätzt — vermutlich vierzig Prozent allen je gewonnenen Goldes.
Die Entstehung Johannesburgs
Das Bergmannslager von Ferreirasdorp wurde 1886 zu Johannesburg. Bis 1900 hatte die Stadt 100.000 Einwohner, bis 1936 eine Million. Sie ist bis heute Südafrikas größte Stadt.
Die Burenrepublik
Das Gold lag auf dem Gebiet der Zuid-Afrikaansche Republiek unter Paul Kruger. Der Konflikt der Republik mit dem Bergbau-Kapital — und die „Uitlander"-Bürgerrechtsfrage — waren die unmittelbaren Auslöser des Zweiten Burenkriegs.
Der Burenkrieg 1899–1902
Der britische Sieg wurde teuer erkauft: 22.000 britische Militärtote, 25.000 burische Zivilist:innen (überwiegend in Konzentrationslagern), schätzungsweise 20.000 schwarzafrikanische Tote. Der Friede von Vereeniging beendete die burischen Republiken.
Wanderarbeit
Von Anfang an stützte sich der Rand-Bergbau auf afrikanische Wanderarbeiter aus dem gesamten südlichen Afrika — Mosambik, Lesotho, Malawi, Botswana. Das Compound-System isolierte sie und drückte die Löhne. Diese Struktur prägte die Apartheid, bevor diese Gesetz wurde.
Industrielle Spitze
In den 1970er Jahren reichten die Rand-Schächte 3.500 Meter tief. Über 600.000 Menschen waren beschäftigt. Die jährliche Goldförderung erreichte über 1.000 Tonnen — drei Viertel der Weltproduktion.
Niedergang
Seit 1970 ist die Förderung um 90 Prozent gesunken. Viele Schächte sind geschlossen; illegale „Zama-Zama"-Bergleute arbeiten in den verlassenen Strecken unter lebensgefährlichen Bedingungen. Tödliche Unfälle und Schießereien gehören zur Routinemeldung.
Erbe und Tourismus
Gold Reef City (auf dem Schacht 14 der Crown Mines), das benachbarte Apartheid-Museum und die Cradle of Humankind — selbst ein Effekt der Grubenentwässerung, die Kalksteinhöhlen freilegte — bilden den Kern des heutigen Rand-Erbetourismus.
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