← Zurück zum Blog

Zollverein — die schönste Zeche der Welt

Zwischen Hochöfen und Plattenbau steht im Essener Norden ein 55 Meter hoher Doppelbock-Förderturm aus Stahl. Wer ihn das erste Mal sieht, versteht sofort, warum Schacht XII der Zeche Zollverein seit den 1930er Jahren als die schönste Zeche der Welt gilt — und warum das Ruhrgebiet seine Erinnerung an die Industriezeit hier verankert hat.

Ursprünge 1847

Der Bergbau auf Zollverein beginnt 1847 unter dem Industriellen Franz Haniel. Die Schächte 1 und 2 fördern zunächst Fettkohle für die nahen Stahlwerke des reichen Reviers. Bis zur Jahrhundertwende wächst die Zeche zur größten der gesamten Region.

Schacht XII (1928–1932)

Der Architekt Fritz Schupp und sein Partner Martin Kremmer entwerfen Schacht XII in strenger kubistischer Funktionalität, beeinflusst vom Bauhaus. Backstein, Stahl und rechte Winkel — keine Ornamentik. Der Doppelbock-Förderturm wird zum Wahrzeichen des Ruhrgebiets.

Förderspitze in den 1950er Jahren

In ihrer Hochzeit förderte Zollverein 12.000 Tonnen Kohle täglich — die produktivste einzelne Zeche der Welt. 8.000 Männer arbeiteten gleichzeitig unter Tage; in drei Schichten wurden Strecken und Abbaufronten ohne Unterbrechung bewirtschaftet.

Die Kokerei

Die Kokerei Zollverein (1957–1961) war zur Zeit ihrer Inbetriebnahme die größte Europas — 8.600 Tonnen Koks pro Tag, 304 Öfen über eine Länge von einem Kilometer aufgereiht. Auch sie folgt der Schuppschen Bauhaus-Klassik.

Schließung 1986/1993

1986 endete die Kohleförderung, 1993 lief die Kokerei aus. Die rasche Stilllegung war zugleich ein wirtschaftlicher Schock und der Augenblick der Rettung — wenige Monate nach Schließung wurde das gesamte Areal unter Denkmalschutz gestellt.

UNESCO-Welterbe seit 2001

2001 wurde Zollverein als „Meisterwerk schöpferischen Geistes" (UNESCO-Kriterium I) ins Welterbe eingetragen. Eine seltene Auszeichnung für ein Industrieareal des 20. Jahrhunderts und ein Signal für die Aufwertung industrieller Moderne.

Das Red Dot Design Museum

Norman Foster baute 1997 das ehemalige Kesselhaus zum Red Dot Design Museum um. Der Eingriff gilt selbst als Lehrstück industriedenkmalpflegerischer Umnutzung — das Stahlgerüst blieb sichtbar, die neuen Schauflächen schweben hinein.

Das Ruhr Museum

Die alte Kohlewäsche beherbergt seit 2010 das Ruhr Museum, das die geologische, natürliche und soziale Geschichte des Reviers durchgängig auf hohem Niveau erzählt. Aufzug und Treppe entlang der ehemaligen Werkswege gehören zum Ausstellungserlebnis.

Zollverein heute

Heute kommen rund 1,5 Millionen Menschen jährlich. Design-Studios, die Folkwang-Universität, ein Eisbahn im Winter auf der Kokereikoks-Rampe, ein Werksschwimmbad im Sommer — Zollverein ist Industriedenkmal, Kulturareal und Stadtquartier in einem.

Auf der Karte erkunden

Zollverein und die umliegenden Bergbau-Erbestätten des Ruhrgebiets finden Sie auf der interaktiven Karte — mit Öffnungszeiten und Hinweisen zur Barrierefreiheit.