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Die Geschichte des Schlägels und der Bergbauwerkzeuge

Von der Feuersteinhacke bis zum Pressluftbohrer haben sich die Werkzeuge des Bergbaus über zehntausend Jahre entwickelt. Ihre archäologische Spur gehört zu den am besten lesbaren Linien der Technikgeschichte überhaupt — und das, weil das jeweilige Werkzeug bei jedem technologischen Sprung sofort untertage von Tausenden Händen geprägt wurde.

Steinzeitliche Hacken

Aus den neolithischen Feuersteingruben — Grimes Graves in Norfolk (um 2700 v. Chr.) und Spiennes in Belgien (UNESCO-Welterbe) — sind Geweihhacken und Feuersteinmesser dokumentiert. Gearbeitet wurde durch Unterhöhlen und Lockern: man unterminierte das Flöz, brach das Hangende, sammelte die Knollen.

Bronzezeitliche Werkzeuge

In den Kupferminen von Mitterberg (Österreich, um 1500 v. Chr.) tauchen die ersten Bronzehacken, Bronzehämmer und Bronzemeißel auf. Werkzeug und Förderprodukt sind dieselben Metalle — eine technische Tautologie, die das ganze Wesen früher Metallurgie zusammenfasst.

Römische Werkzeuge

Der römische Bergbau arbeitete mit Eisenkrampen, Vorschlaghämmern und Keilen. Die Feuersetzung — Erhitzen des Gesteins und Abkühlen mit Wasser oder Essig, um es zum Reißen zu bringen — war eine Schlüsseltechnik. Plinius beschreibt sie ausdrücklich für Las Médulas.

Mittelalterliche europäische Werkzeuge

De Re Metallica von Georgius Agricola (1556) illustriert in ungewöhnlicher Detailtreue das komplette Werkzeugarsenal des spätmittelalterlichen Bergbaus: Schlägel, Eisen, Vorschlaghammer, Keil, Schaufel, Mulde, Fahrt und der hölzerne Bergmannsstab. Agricolas Holzschnitte sind bis heute die ergiebigste Bildquelle der frühneuzeitlichen Bergwerkstechnik.

Schwarzpulver

Schwarzpulver wurde 1627 in Banská Štiavnica (Slowakei) zum ersten Mal im Bergbau eingesetzt. Die Technik vervielfachte die Förderleistung, brachte aber neue Gefahren ins Werk: Frühzünder, Gasexplosionen, Rauchvergiftungen. Sie blieb bis ins späte 19. Jahrhundert die Standardmethode.

Cornisches Square-Set-Verzimmer

Das in Cornwall entwickelte Square-Set-System ermöglichte den sicheren Abbau lockerer Erzkörper durch ein dreidimensionales Holzgerüst. Es wurde ab den 1840er Jahren zum bedeutendsten Technikexport der cornischen Diaspora.

Pressluftbohrer

Die pneumatischen Gesteinsbohrer von Burleigh (1866) und Ingersoll (1871) revolutionierten den Hartgestein-Bergbau. Der Gotthard-, der Fréjus- und der Hoosac-Tunnel sind ohne sie nicht denkbar.

Dynamit ab 1867

Alfred Nobels Dynamit (1867) löste das Schwarzpulver ab. Die Kombination aus Pressluftbohrung und Dynamit definierte die spätviktorianischen Goldrausch-Ökonomien — von Witwatersrand bis Kalgoorlie.

Continuous Miner

Ab den 1940er Jahren ersetzte der Continuous Miner — eine rotierende Schneidwalze — das individuelle Bohren im Kohlebergbau. Die heutigen Longwall-Shearer-Maschinen schneiden ganze Flöze autonom ab.

Werkzeugsammlungen für Besucher

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, das Kungliga Gruvmuseet in Sala und das National Coal Mining Museum bei Wakefield besitzen je eine ernsthafte historische Werkzeugsammlung. Ein systematischer Besuch dieser drei Häuser deckt fast die gesamte europäische Bergbauwerkzeug-Tradition ab.

Auf der Karte erkunden

Die wichtigsten Werkzeugsammlungen und die zugehörigen Bergwerke sind in unsere interaktive Karte eingetragen. Filtern Sie nach Zeitstellung oder Region, um eine technikhistorische Reise zu planen.